

Die Alleintänzerin
K. ist allein im Urlaub, endlich hat sie sich getraut. Sie war noch nie ohne Partner oder Freunde verreist. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man allein am Tisch platznimmt und der Kellner fragt, für wie viele Personen er eindecken soll. „Nur für mich“ antwortet sie schnell und mit etwas zu hoher Stimme, es sollte eigentlich lässig klingen. Sie sieht aus den Augenwinkeln, wie der schwindende Kellner sich noch einmal nach ihr umdreht. Was der wohl denkt? Soll es ihr etwa noch peinlich sein, dass sie allein hier sitzt? Sie bekommt gar nicht mit, dass sich inzwischen ein älteres Paar neben sie gesetzt hat. Die Frau fängt sofort ein Gespräch mit ihr an, wohl auch, weil sie sich mit ihrem Partner nicht mehr allzu viel zu sagen hat. Als K. nach dem Abendessen in ihrem Zimmer sitzt, hört sie durch das geöffnete Fenster eine Band spielen. Das hört sich super an, denkt sie und geht ins Bad; macht sich dort ein wenig zurecht und läuft in Richtung der Musik. Wo soll sie sich nun hinstellen oder setzen? Sie steht unschlüssig herum und flüchtet sich schließlich an die Bar. Der Barkeeper lächelt sie an und fragt, was er ihr bringen könne. Die Situation überfordert sie – dann hört sie ihre Stimme wie aus den Off „a Campari-Orange on the rocks“. Die anderen Gäste scheinen fast alle in Gesellschaft zu sein. Oje. Einige Paare tanzen vergnügt, sie würde auch gerne tanzen. Während sie ihren Gedanken darüber nachhängt, fällt ihr eine Frau auf – sie tanzt ganz allein. Als die Band den nächsten Song anspielt gibt sie sich einen Ruck und geht auf die Tanzfläche.