

Eine Bank, eine Frau, ein Mann
Eine Frau, Anfang 50, sitzt auf einer Bank- allein. Sie hat nach dem Abitur einen Studienabschluss gemacht, zwei Kinder bekommen, ein Haus umgebaut und auch einen Mann gehabt. Sie konnte mit ihrem Leben zufrieden sein und oft empfand sie tiefe Dankbarkeit und Glück. Heimlich bezeichnete sie sich als Privatier, natürlich nicht in ganz großem Rahmen. Sie hatte den gesellschaftlichen Aufstieg aus einfachen finanziellen Verhältnissen geschafft, sich in ihrem Leben bequem eingerichtet. Noch bis vor kurzem dachte sie, Ihr Leben würde einfach so weitergehen. Dann kam alles anders. Ihren Mann gibt es nun nicht mehr, die Kinder sind aus dem Haus, tiefe Freundschaften hat sie nicht aufgebaut. Sie ist allein zurückgeblieben. Sie genießt die Abendsonne, die den See in warmes Licht taucht. Sie steht auf, geht ans Ufer und macht ein Foto mit dem Smartphone. Sie hat schon immer gerne fotografiert. Als sie sich umdreht, bemerkt sie, dass sich ein Mann auf die Bank gesetzt hat. Er fragt sie“ ist es okay, wenn ich mich zu ihnen auf die Bank setze?“. Sie nickt, natürlich ist das okay. Eigentlich wollte sie ohnehin gehen, aber sie fängt ein Gespräch mit dem Unbekannten an. Plötzlich sagt sie „Ich bin einsam“. Der Mann schaut sie verdutzt an.