

Was würde C.G. Jung dazu sagen?
D. ist auf dem Weg zu ihrer Therapeutin. Sie geht nun schon seit drei Monaten jeden Donnerstag dahin, nachdem Sie ein schwerer Schicksalsschlag getroffen hat. Anfangs dachte sie noch das würde sie schon allein schaffen, aber mit der Zeit musste sie feststellen, dass ihr die Kraft ausging. Gestern Nacht hatte sie wieder geträumt, seit einiger Zeit schon hatte sie andere Träume als sie das gewohnt war. Die Träume wirkten sehr real und vor allem konnte sie sich am nächsten Morgen an alles erinnern. Gestern Nacht also lief sie in einem weißen Trägerkleid durch die Straßen einer Großstadt, vorbei an prächtigen Häusern aus der Gründerzeit. Sie wurde von einer kleineren Gruppe verfolgt. Die Gesichter konnte sie in der Dunkelheit der Nacht nicht erkennen. Sie lief schnell auf dem Bürgersteig, die Verfolger holten auf. Sie hatte etwas wertvolles dabei, das ihr gehörte – nur ihr. Sie musste die Verfolger loswerden, sie bog in eine Seitenstraße ab und rannte in einen Hauseingang. Glücklicherweise war der nicht verschlossen. Das war schon damals so, als ihre Freundin während der Studienzeit dort in einer WG wohnte. Sie kannte sich in dem alten, großen und verwinkelten Stadthaus aus. Im ersten Stockwerk gab es einen Gang, der auf die Rückseite des Hauses führte. Über eine kleine Feuertreppe gelangte man in den Garten. Da würde sie sicher sein. Sie schlüpfte in den Gang und schlich die Treppe hinunter in den Garten. Aus dem Fenster der Wohnung über ihr hörte sie leise Chopin. Sie hatte es geschafft! Sie drückte den Klingelknopf ihrer Therapeutin und kurz darauf ertönte das Summen des Türöffners. Sie ging den langen Korridor entlang, die Therapeutin öffnete die Tür.