RE 61
Sie sprang noch schnell in den Zug und rang ächzend nach Luft. Der Ruhewagen war angenehmerweise halb leer. Sie nahm Platz und studierte ihr Spiegelbild. In die Reihe vor ihr hatte sich ein Mann gesetzt und fing an zu telefonieren. Es hätte sie eigentlich nicht interessiert, aber im Ruhewagen… und dann grölte er förmlich ins Smartphone. Es ging um eine Erbschaft, er war direkt ohne Höflichkeiten zur Sache gekommen. Mit der Angerufenen hatte er wohl lange keinen Kontakt mehr gehabt. „Hallo, Eva. Wie geht´s dir?“ Er schien ihre Antwort nicht abwarten zu können und fiel ihr ins Wort. „Also, du hast sicher gehört, dass unsere liebe Tante Helga verstorben ist, oder? Im Testament waren wir beide doch immer als einzige Erben genannt.“ Er hatte sich mittlerweile in Rage telefoniert und polterte in´s Smartphone „also, ich habe gestern vom Amtsgericht ein Schreiben mit dem Testament bekommen und daaaaa…. ist neben uns beiden auch ihre beste Freundin mit 1/3 eingetragen. Absolute Frechheit“ grölte er durch den Wagon. „Es ist ja wohl klar, dass wir was machen müssen. Das lassen wir uns nicht gefallen, klar!!! Hör genau zu Eva, die alte Dame booten wir aus. Die braucht doch kein Erbe mehr, die ist doch schon tütelig. Also, wir werden das so machen…. Eva, Eva – bist du noch dran?“